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DIE
SCHATTENSEITEN
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Mythos 1: Sexuelle Übergriffe passieren fast immer überfallartig, und zwar draußen in dunklen und einsamen Gegenden. Fakt: Vergewaltigungen und sexueller Missbrauch an Kindern werden in der Regel von den Tätern im voraus genau geplant. Die Übergriffe finden meistens an Orten und in Situationen statt, wo Frauen und Kinder sich sicher fühlen, z.B. in der Schule, am Arbeitsplatz, in der eigenen Wohnung und im eigenen Bett. Mythos 2: Die Täter sind meistens Fremde. Fakt: Sexualisierte Gewalt wird eher selten von Fremden verübt. Die Täter sind meistens Bekannte oder Verwandte des Opfers, sind Nachbarn, Arbeitskollegen, Lehrer, der Pastor. Oft ist es der Lebenspartner bzw. Ehemann. Untersuchungen haben ergeben, dass das Ausmaß der Gewalt in der Familie größer ist als in jedem anderen gesellschaftlichen Bereich. Gerade also im sozialen Nahbereich, in der Familie erfahren Frauen und Mädchen Gewalt und Erniedrigung. Durch die Privatheit dieser Sphäre wird diese Gewalt verheimlicht, verschleiert, Frauen und Kinder entbehren hier jedweden Schutzes. Durch die emotionale Überfrachtung der Privatsphäre und ihre Abschottung dient die Familie/die Beziehung Männern oft als Ventil für in beruflichen und gesellschaftlichen Bereichen angestaute Aggressionen und Frustrationen. Gewalt gegen Frauen zeigt sich hier als extreme Form der gesellschaftlichen Macht- und Herrschaftsverhältnisse, des Objektcharakters der Frau. Der Gesetzgeber hat jetzt endlich dieser Tatsache Rechnung getragen und schließlich auch Vergewaltigung in der Ehe unter Strafe gestellt, was schon immer eine Forderung der Notrufprojekte und der Frauenbewegung war. Mythos 4: Die Täter kommen meist aus der Unterschicht, und oft sind sie Ausländer. Fakt: Sexualisierte Gewalt wird von Männern jeder sozialen Schicht und Nationalität verübt. Professoren und Ärzte sind darunter ebenso zu finden wie Bauarbeiter oder Arbeitslose. Ein Täter wird jedoch eher angezeigt und verurteilt, wenn er aus einer gesellschaftlich nicht so hoch angesehenen Gruppe stammt. Mythos 6: Sexualisierte Gewalt trifft vor allem Frauen, die jung sind, gut aussehen, sich aufreizend kleiden und verhalten. Einer anständigen Frau passiert so etwas nicht. Fakt: Mädchen und Frauen jeden Alters sind von sexualisierter Gewalt betroffen, ein Baby ebenso wie eine alte Frau. Es macht auch keinen Unterschied, wie "schön" oder "hässlich" sie ist. Es ist nicht die sexuelle Attraktivität oder das "aufreizende" Verhalten des Opfers, was zur Tat führt, sondern der Wille und die Absicht des Täters. Auch damit wird sexualisierte Gewalt wieder individualisiert, der Frau wird wieder Schuld zugeschrieben, sie braucht sich ja nur anders zu verhalten. Mythos 7: Wenn Frauen oder Kinder einen Mann beschuldigen, dass er sich sexuell an ihnen vergriffen habe, so ist das oft eine Lüge. Sie wollen sie an ihm rächen. Fakt: Bei sexualisierter Gewalt sind Falschanschuldigungen extrem selten. Es passiert eher das Gegenteil, nämlich dass Opfer eine wahre Anschuldigung zurückziehen, weil sie von der Umwelt massiv unter Druck gesetzt oder beschimpft werden. Meistens allerdings schweigen die Opfer: sie schämen sich, haben Angst, dass ihnen nicht geglaubt wird. Mythos 8: Sie hat es ja gewollt - schließlich hat sie sich ja nicht gewehrt. Fakt: Fast alle Opfer sexualisierter Gewalttaten setzen sich in irgendeiner Weise gegen den Täter zur Wehr. Sie sagen "Nein" (was oft als "Ja" interpretiert wird), versuchen, sich ihm zu entziehen oder kämpfen mit ihn. Der Täter aber setzt sich mit Macht über ihren Willen hinweg. Erschwerend ist, dass Mädchen und Frauen in unserer Gesellschaft kaum lernen, sich Männern gegenüber zu behaupten, aggressiv zu sein und zu kämpfen. Ihnen wird geraten, sich nicht zu wehren, wenn sie angegriffen werden. Daher haben viele Angst zu kämpfen und wissen auch nicht, wie. Zudem können Schockerleben und Todesängste Widerstand praktisch unmöglich machen. Aus fehlender Gegenwehr kann deshalb nicht geschlossen werden, dass ein Mädchen oder eine Frau "es" gewollt hat. Diese Mythen, Klischeevorstellung, Vorurteile verleugnen und bagatellisieren sexualisierte Gewalt. Sie entlasten den Täter von seiner Verantwortung und schreiben den Opfern die Sch
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